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Laudatio anläßlich der Auszeichnung von Frau Sachiko Szyszka mit dem Preis des Außenministers von Japan durch Herrn Generalkonsul Shinsuke Toda am 13. Februar 2016 in Hamburg
Sehr geehrter Herr Generalkonsul Toda, liebe Sachiko, verehrte Anwesende. Es ist mir eine große Ehre, hier vor Ihnen ein paar Worte sagen zu dürfen.
Liebe Sachiko, wir kennen uns, glaube ich, seit Du und Dein Mann Ronald 2004 in die Gesellschaft eingetreten seid. Schon von Anfang an hast Du aktiv am Leben in der Gesellschaft teilgenommen. Ich erinnere mich an unsere gemeinsame Fahrt im Mai 2009 nach Hamburg zum Japanischen Feuerwerk, wo wir beide uns auch mal etwas länger unterhalten und kennenlernen konnten. Dabei habe ich bemerkt, was für ein offener, warmherziger und hilfsbereiter Mensch Du bist. Trotz meiner begrenzten Kenntnisse der japanischen Sprache hast Du mich zum Sprechen ermuntert und unterstützt, aber so manches Mal hörte ich dann aber auch mal von Dir: „So sagt man es aber nicht!“ Das war immer eine große Hilfe für mich.
2011 war für die Deutsch-Japanische Gesellschaft ein schweres Jahr. Ende Juni wurden gleich zwei Posten im Vorstand vakant. Einmal der des Präsidenten und der des Vizepräsidenten. Das Präsidentenamt konnte damals leider nicht wieder besetzt werden. Aber immerhin das des Vizepräsidenten, nämlich mit Dir. Ein Jahr später dann wurdest Du Präsidentin der DJG Oldenburg. Wir waren alle sehr froh darüber und wenn ich jetzt so zurückschaue, ist seitdem eine Menge Zeit vergangen, und es ist viel passiert. Noch im gleichen Jahr fand das erste Mal „Japanisch am runden Tisch“ statt, ein Japanisch-Kurs vor allem für jene, die durch Hören und Sprechen Sprache und Kultur spielerisch erfahren und erlernen möchten. Ich glaube, die Initiative dazu ging von Dir aus. Zunächst führte die damalige Japanisch-Lehrerin des Herbartgymnasiums, Frau Numazaki die Kurse, später hast Du den Unterricht überrnommen.
Du hast im Laufe Deiner „Amtszeit“ mehrere Reisen nach Japan vorbereitet und durchgeführt. Jede Reise hatte dabei einen Schwerpunkt. Sei es das Kennenlernen des alten Japan auf Shikoku, eine Rundreise durch Hokkaido oder auch, wie zuletzt vor etwas mehr als zwei Jahren der Besuch der Hafenstädte an der Westküste Honshus unter dem Thema „Eine besondere Reise zu den Kitamaebune-Häfen“. Auf allen Reisen war es Dir wichtig, Deine Reisegefährten an Orte zu führen, die abseits ausgetretener Touristenpfade liegen und die es wert sind, entdeckt zu werden. So konnten Deine Begleiter neue und bisher unbekannte Seiten Japans kennenlernen. Dabei stand natürlich auch immer der Austausch mit der einheimischen Bevölkerung an erster Stelle; der direkte Kontakt mit den Menschen vor Ort.
Spendengelder, die 2014 aus einer Tombola zur 25-Jahr-Feier unserer Gesellschaft zusammengekommen waren, hast Du persönlich zusammen mit weiteren Spendengeldern aus Leer an das Kinderheim „Fuji no Sono“ in Ichinoseki in der Präfektur Iwate übergeben. Davon konnten für die Kinder Bücher angeschafft werden. Das Kinderheim war durch das Erdbeben im März 2011 schwer beschädigt worden.
Dir ist es auch zu verdanken, daß uns jedes Jahr zum Tanabata-Matsuri seit mehr als zehn Jahren die amtierende Generalkonsulin bzw. der amtierende Generalkonsul mit einem Besuch beehrt. Es ist inzwischen eine liebgewonnene Tradition geworden.
Im Bereich Veranstaltungsprogramm waren es oft unkonventionelle Themen, die vorgestellt wurden, nicht immer nur die klassischen Bereiche wie Teezeremonie, Ikebana, Kalligraphie und Bonsai. Ich erinnere mich, daß wir einmal einen Uniprofessor mit seiner Doktorandin zu Gast hatten. Sein Vortrag stand unter dem Motto „Cosplay und Crossplay – Lolitas und Brolitas“ – Jugendkulturen in Japan und Europa. Für so manchen Zuhörer damals wohl etwas gewöhnungsbedürftig!
Aber auch außerhalb unserer Gesellschaft bist Du aktiv, wie ich feststellen konnte. Da finde ich z. B. die Website der „Ammerländer Volkstanzgruppe Bad Zwischenahn e. V.“, auf der sich der Verein auf Japanisch vorstellt. Und dann steht da zu lesen, daß Du die Übersetzung besorgt hast. Im Kunstverein Aurich e. V. hattest Du 2019 im Rahmen der Ausstellung Keiko Sadakane einen Vortrag über Frauen-Literatur der Heian-Zeit gehalten. Du gibst an der Volkshochschule Leer Japanisch-Unterricht und bist Mitglied der Kunsthalle Emden. Du warst mehrmals in Japan, um Klassisches Japanisch zu studieren. Manchmal frage ich mich dann: Machst Du auch mal Pause?
Unsere „Arbeitstreffen“, auch Vorstandssitzungen genannt, waren stets harmonisch und produktiv. Es war und ist immer ein Umgang auf Augenhöhe, auch wenn letztlich Du als Präsidentin natürlich das letzte Wort hast. Überhaupt ist der Umgang der Mitglieder untereinander mit Dir als Präsidentin innerhalb der Gesellschaft familiärer geworden. Es spielt dabei keine Rolle, ob jemand einen akademischen Grad besitzt oder nicht! Man hört immer öfter ein „Du“ denn ein „Sie“.
Ich möchte langsam zum Schluß kommen und Dir für die lange Zeit in der Gesellschaft danken. Als Japanerin und Präsidentin hast Du mit Deinem Wissen über Dein Heimatland unsere Gesellschaft unheimlich bereichert. Ich freue mich für Dich, daß Du heute diese Auszeichnung erhältst. Dir und deinem Mann noch viele, viele schöne Jahre. Und für uns alle hoffentlich noch viele schöne gemeinsame Momente in unserer Deutsch-Japanischen Gesellschaft.
Vielen herzlichen Dank. Hartmut Langer
Am 10. April 2026 war Herr Generalkonsul Shinsuke Toda aus Hamburg bei uns zu Gast im Kulturzentrum PFL in Oldenburg und sprach über die „Deutsch-Japanischen Beziehungen aus der persönlichen Perspektive eines Diplomaten“. Dabei berührte er verschiedene Aspekte der Beziehungen beider Länder zueinander und wie er sie im Rahmen seiner diplomatischen Tätigkeit wahrnimmt. Gegenstand seiner Betrachtungen waren z. B. die Erdbebenkatastrophe am 11. März 2011 im Nordosten Japans oder auch die zunehmenden politischen Spannungen im ostasiatischen Raum. Er beantwortete die vielen Fragen aus dem Zuhörerkreis reflektiert, besonnen, aber nicht unkritisch. Es war ein spannender Vortragsabend, der in einem lebendigen Dialog seinen Abschluss fand - ganz so, wie man sich kulturellen Austausch auf Augenhöhe wünscht.
Am Freitag, dem 8.5.26, stellte uns Herr Norbert Henzel vom Institut für Materielle Kultur der Universität Oldenburg zahlreiche Beispiele für das asiatisch-europäische Kultur-Ping Pong vor.
Der Titel seines Vortrages lautete: "Sukiyaki, Hühner-Attacke, Einstürzende Neubauten und Gelbe Magie - (Populär-)Musik im Deutsch-Japanischen Spannungsfeld“. Er verwies zunächst darauf, dass nicht nur in Fußballmannschaften und Sinfonieorchestern momentan japanische Aktive in Deutschland sehr gefragt sind.
Schon im 19. Jahrhundert kamen Japaner zum Studium in den deutschsprachigen Raum, bekannt sind vielleicht der Arzt und Literat Mori Ogai - für den es in Berlin eine Gedenkstätte gibt - oder der Komponist Kosaku Yamada.
In dem Vortrag konnten wir die Geschichten des kulturellen Ping Pongs zwischen Europa und Asien verfolgen, z.B. anhand des 60er Jahre Hits "Sukiyaki“, der als Liebeslied und Protestsong gelesen werden kann, des Yellow Magic Orchestras und dem verbindenden Element zwischen taiwanischem Extreme Metal und deutscher Volksmusik in Person eines jodelnden japanischen Sängers in Lederhosen.
Der Vortrag fand sehr großen Anklang, weil uns Herr Henzel immer wieder mit musikalischen und filmischen Beispielen beeindrucken konnte.